ANGSTRAUM
Simone Schardt & Wolf Schmelter
Installationsansicht Ausstellung Künstlerhäuser Worpswede, 2008/2009
In seinen Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1915-1917) beschreibt Sigmund Freud die Realangst - in Abgrenzung zur neurotischen Angst - als einen Affektzustand, der sich in der Bereitschaft für eine nicht näher bestimmte, diffuse Gefahr äussert und mit einer gesteigerten sensorischen Aufmerksamkeit und motorischen Spannung einhergeht. Folgt man der Etymologie des Wortes Angst (griech: angustiae, Enge) so scheint hier bereits eine räumliche Konnotation auf, ANGSTRAUM wird hier zu einer Tautologie, die jedoch noch eine weitere Lesart ermöglicht, wie sie in dem flüchtigen Erfassen einer anderen Zeicheneinheit naheliegt - als TRAUM. Diese Lesart steht im Kontrast zu der eingangs formulierten „gesteigerten sensorischen Aufmerksamkeit“. Als „Seelenleben während des Schlafes“ (Aristoteles) entsteht der Traum in der Folge eines Aussetzens des Interesses an der Welt. In dem Wechselspiel von Raum und Traum betreten wir nunmehr einen Schauplatz, der Freuds „Anderem Schauplatz“ als Synonym für das Unbewusste - als psychische Lokalität, deren Erscheinung und Ort in Abgrenzung zu unserem wachen Vorstellungsleben flüchtig und ungreifbar bleibt - zu entsprechen scheint und sich gleichzeitig grundsätzlich von diesem unterscheidet. Der neu zu findende Schauplatz bricht mit der Substanzvorstellung von Raum. Raum ist demnach keine eigenständige Entität, Kultur und Natur sind in ihm in einer Funktionsbeziehung verbunden, die Räumlichkeit erst hervorbringt. Aus dem Ausstellungsraum wird eine Räumlichkeit, eine Topologie, bestimmt durch Elemente, die relational aufeinander bezogen sind: An die Stelle eines Verständnisses von Raum als physische Ausdehnung tritt die Strukturdarstellung von Raum.
